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Machu Picchu

“Ich werfe meine Wasserflasche an einen Felsblock, leg meinen Wanderstock, meinen kleinen Hüftrucksack und die überflüssige Kleidung von heute morgen daneben und wische mir mit dem T-Shirt den Schweiss von der Stirn. Dann bin ich bereit dazu, das zu tun, wofür ich seit drei Tagen durch die Hochanden Perus stapfe. Ich geh noch einen Schritt und steh im Intipunku, dem Sonnentor zur verlorenen Stadt der Inkas, dem Bild, mit dem wohl jede Peru-Reise beginnt, dem Sonnentor nach Machu Picchu. Beim ersten Blick auf die Ruinen gehen mir die vergangenen drei Tage noch einmal durch den Kopf.


 

Ich hab die Bilder vor Augen, als wir am Ufer des Urubamba-Flusses aus dem Bus ausgeladen, mit kleinen Snacks versorgt und durch die Eingangspforte des Nationalparks geschleust wurden. Wie es dann zunächst eben am Ufer entlang ging, kaum merklich leicht ansteigend. Wie wir nach etwa zwei Stunden die erste Pause einlegten, während der unser Guide José wegen defektem Walkie-Talkie zurück zum Ausgangspunkt rennen musste und wir (ich und 12 Weitere auf den Spuren der Inka) schon alleine hinabklettern ins Tal des Wayanay und auf der anderen Seite mit 60 Höhenmetern die erste richtige Steigung bewältigen und uns oben darüber freuen, die Inka-Ruinen von Llaqtapata zu Gesicht zu bekommen. Ich kann mich erinnern, wie wir nach insgesamt neun Kilometern in Wayllabamba, dem letzten Dorf entlang des Treks, Rast machen und uns bereit machen, den ersten kleinen Teil des sechs Kilometer langen Anstiegs zum Warmiwañusqa-Pass anzugehen. Wir sind jedoch noch frohen Mutes, da nach eineinhalb Stunden Anstieg unser Camp zum Übernachten auf uns wartet.


 Ich denke mit ein wenig Stolz auch an den zweiten Tag, der uns von unserem Camp um sieben Uhr aufbrechen lässt um den Pass (übersetzt ist es der Pass der toten Frau) anzugehen und nochmal etwa 800 Höhenmeter zu überwinden waren. Die Gruppe teilt sich schnell nach dem Camp, ein Engländer rennt voraus, wir anderen verteilen uns auf dem Pfad. Auch unsere Guides haben zu kämpfen und verlieren recht schnell den Anschluss. Immer in einem stetigen Tempo geht es vorbei an an schwitzenden Mitkämpfern aus anderen Gruppen, Trägern, die ob ihrer gewaltigen Last auf dem Rücken nur mühsam nach oben kommen und wunderschönen Landschaften tief unten im Tal. Letzteres wird allerding von Stufe zu Stufe unwichtiger, da jeder mit sich selbst genug zu kämpfen hat. Zudem wird es nun – auf etwa 3800 Metern – immer kühler. Richtig kalt wird es, als es leicht zu nieseln beginnt und ich gezwungen bin, meinen Poncho überzuziehen. Nach knapp drei Stunden endlich kommt er in Sicht – der Pass der toten Frau. Einige mühsame Minuten noch die viel zu hoch geratenen Stufen hinaufkraxeln, dann steh ich auf 4215 Metern, lass mir den frischen Wind durch die schweissnassen Haare wehen und schau mit ein bisschen Stolz zurück auf den Pass, wo sich andere tapfer mühen, in Tritt zu bleiben und nicht Opfer von Kälte, Höhe und eigenem Schweinehund zu werden.
Doch für den Stolz bleibt nur wenig Zeit. Um nicht auszukühlen geht es direkt wieder bergab – auf steilen, glitschigen Felsen. Mehr als eine Stunde lang geht es so bergab, was sich als sehr lästig herausstellt. Doch schliesslich kommt auf 3600 Metern auch das Camp in Sicht, wo es endlich Mittag gibt. Doch gleich nach dem Essen und einem Koka-Tee geht es auf zum 2. Pass – wieder auf 4000 Meter. Fluchend, da während des ersten Steilstückes noch träge vom wirklich guten Essen, machen wir uns auf, passieren nach etwa 25 Minuten die Ruinen von Runkuraqay, wo wir 20 Minuten bleiben. Dann geht es weiter nach oben, bei weitem nicht so schlimm wie am Morgen, doch mit dem Marsch vom Morgen in den Knochen. Der Blick zurück ins Tal entlohnt jedoch für die Mühe – vor allem vom Gipfel des zweiten Passes, wo wir uns alle abklatschen, in der Gewissheit, dass der schwerste Teil des Treks geschafft ist. Doch der 400-Höhenmeter-Abstieg ins Camp wird noch einmal ein ungemütlicher Abschluss eines wirklich langen Tages, an dessen Abend wir uns den Fruchtcocktail mit Rum, den unsere Guides Julio und José organisiert haben, redlich verdient haben.
Ich denke in diesem Moment, während des Schrittes durch das Sonnentor vor allem an die Stunden vorher. Es ist der dritte Tag und es war ein genialer, wenn auch mit frostig kaltem Start um fünf Uhr morgens. Doch als die ersten Sonnenstrahlen die Gletscher-Kette Vilcabamba anleuchtet, ist all die Kälte, all die Mühe vom vortag vergessen. Es geht einfach nur mit froher Erwartung auf zum dritten Pass, der jedoch nach 35 Minuten geschafft ist. Von nun an geht es fast nur noch bergab. Wir kommen vorbei an einigen Lagunen, wir passieren kleine Höhlen, der Weg bohrt sich durch einige Tunnel und unter gewaltigen Ästen hindurch. Auf der linken Seite steht der eindrucksvolle Salkantay, der gewaltigste, aber bei weitem nicht der einzigste Gletscher der Region, unter wolkenlosem Himmel und scheint uns noch mehr anzuspornen. Nach vier Stunden Abstieg machen wir Mittag nahe den Ruinen von Wiñaywayna. Nach der Rast können wir es kaum erwarten weiter zu gehen – schliesslich steht am Ende der nächsten ein- bis eineinhalb Stunden der Blick durch das Sonnentor auf Machu Picchu. Als hätten es die Inka den Touristen von heute besonders schwer machen woollen, sind die letzten 25 Minuten noch einmal von viel zu hohen Stufen, von Kletterpartien aber auch von der freudigen Erwartung geprägt.   

 

Dann bin ich bereit dazu, das zu tun, wofür ich seit drei Tagen durch die Hochanden Perus stapfe. Ich geh noch einen Schritt und steh im Intipunku, dem Sonnentor zur verlorenen Stadt der Inkas, dem Bild, mit dem wohl jede Peru-Reise beginnt, dem Sonnentor nach Machu Picchu. Und da unten, am gegenüberliegenden Hang, da strahlt Machu Picchu in der Nachmittags-Sonne, als wolle es unsere Gruppe persönlich begrüssen. Nach den ersten Eindrücken werden wir weiter gehen auf dem Inka-Pfad, immer am Hang entlang, immer die Ruinen im Blick, die von Schritt zu Schritt grösser und prächtiger erscheinen. Etwa eine Stunde und etliche Freudes-Ausdrücke spatter, werden wir am Aussichtspunkt sein und einfach schweigend im Gras liegen.


 

Am nächsten Morgen werden wir genau dahin zurückkehren, nach einer Stunde Wanderung, der letzten, dafür heftigen Anstrengung des Trails. Wir werden schon um sechs Uhr in den Ruinen sein und den Sonnenaufgang geniessen, bevor wir uns beim Rundgang durch Machu Picchu trotz der Hitze etwas entspannen können. Gegen Mittag werden wir die Ruinen verlassen, mit der Gewissheit, dass diese Stelle etwas magisches hat…"

2.5.07 20:30


Über Boliven nach Chile...

Dieser Eintrag ist der erste Eintrag aus Chile. Das bedeutet, dass ich mittlerweile Cusco und Peru hinter mir lassen musste. "Musste", weil Peru einfach ein wunderbares Land ist. Nicht nur Cusco, auch alles andere, was ich dort erlebt, die Menschen, die ich dort kennen gelernt hab - all das war er schon wert, auch mit einem weinenden Auge an der Grenzstation zu stehen....

Die letzten Tage hab ich mit Julia und Stephi, die ich beide in der Sprachschule getroffen habe, verbracht. Wir sind von Cusco zum Titikakasee und von dort aus weiter nach La Paz, wo wir uns schliesslich getrennt haben und ich weiter nach Arica - der ersten Station in Chile - bin.

Doch der Reihe nach: Nach einer 6-Stunden-Nachtfahrt von Cusco nach Puno am Titikakasee (der höchstgelegene schiffbare See der Welt, 3810 m ü. NN) hatten wir dort Glück, dass wir gerade noch rechtzeitig kamen, um eine Insel-Tour zu machen, die zunächst für eine Stunde zu den Uro-Inseln ging. Dort hatten wir ein wenig Kontakt zu den Nachfahren der Uros, der "Seemenschen", die auf dem See lebten und auch deshalb nie von den Inkas unterworfen wurden. Das ganze war jedoch sehr touristisch angehaucht. Sehr imposant war dagegen die Insel Amantani, die wir nach 4-stündiger Bootsfahrt erreichten und wo wir auch die Nacht verbrachten. Auf Amantani gibt es keine Hotels oder gewerblichen Unterkünfte - es wird immer bei Einheimischen gegessen und geschlafen. Wir verbrachten den Tag und die Nacht bei Justina, die mit ihrem Sohn in einer kleinen Lehmhütte unter bescheidenen Verhältnissen lebt. Ausserdem durften wir bei einer Eröffnungs-Zeremonie eines Cafés teilnehmen, was auch sehr interessant war. Am nächsten Morgen ging es weiter zur Insel Taquile, die wie Amantani auch zauberhafte Landschaften zu bieten hat und eine himmlische Ruhe ausstrahlt. Alles in allem hat sich der Ausflug sicher mehr als gelohnt, da wir doch einen "authentischen", und keinen touristisch aufgeblähten Eindruck von den Insel-Bewohnern bekamen.

Am Nachmittag ging es dann in einem Colectivo Taxi (18 von 14 Sitzen waren besetzt) weiter nach Yunguyo an der bolivianischen Grenze. Dieser Zwischenstopp in dem beschaulichen Dorf wäre eigentlich nicht erwähnenswert - hätten wir nicht meine letzten Stunden in Peru auf der Polizeistation verbracht. Stephi hatte ihre Kamera am Morgen vermisst und war sich sicher, dass sie sie im Hostal noch hatte. Also gab es Durchsuchungen (eine Hausdurchsuchung des Hostal-Besitzers konnten wir grade noch verhindern) und Befragungen und vor allem viel Schreibarbeit des freundlichen Polizisten, der mehr als einen halben Arbeitstag mit dem Fall verbrachte und wohl auch noch ein paar Stunden weiter Protokoll getippt hätte, wenn wir nicht irgendwann auf Zeit gedrängt hätten - wir mussten ja weiter nach Bolivien.

Als Stephi endlich ihre Bestätigung für die Versicherung hatte, konnte es weiter gehen nach Copacabana auf der bolivianischen Seite des Titikaka-Sees, was sich als Städtchen mit viel Flair herausstellte. Ob von einem Aussichtspunkt über dem Ort oder beim Bummeln durch Copacabana - die Ruhe und Gelassenheit, die hier herrscht, was deutlich zu spüren. Wahrscheinlich war das reine Relaxen in dem Wallfahrtsort schöner als ein touristischer Ausflug auf die Isla del Sol, was eigentlich geplant war. Dies scheiterte jedoch am Vormittag in der Polizei-Station.

Alles andere als Ruhe fanden wir dann am Donnerstagnachmittag, gerade angekommen in La Paz. Die Stadt ist ein reines Verkehrschaos - bin ich aber ja aus Trier nicht anders gewohnt.  Was La Paz aber wirklich ausmacht, ist die Lage. Die Stadt liegt in einem Talkessel auf 3100 bis 4100 Meter Höhe (die Vorstadt El Alto mit eingeschlossen). Super tolle Aussichten auf die Stadt sind da natürlich vorprogrammiert - was wir natürlich auch mit einem Bierchen in der Hand genossen haben. Was uns in La Paz aber direkt aufgefallen ist: Die Stadt ist sehr modern (im Vergleicht zu Lima) und sauber. Einfach sehr speziell.

Mehr von La Paz und vor allem der Umgebung hab ich leider nicht gesehen, da ich heute morgen 8 Stunden mit dem Bus durch herrliche Landschaften nach Arica (nördlichste Stadt Chiles) herunter gefahren bin, wo ich gerade die Pazifikluft schnuppern kann. Doch heute abend schon wieder geht es weiter - nach San Pedro de Atacama, wo ich dann endlich mal was arbeiten darf....

11.5.07 22:41


Erster Schock überwunden...

Seit ziemlich genau einer Woche bin ich jetzt in San Pedro de Atacama, dem kleinen, verschlafenen und vor allem staubigen Wüsten-Nest auf 2400 Meter mitten in der Atacama, einer der trockensten Wüsten der Welt.
Am vergangenen Samstag kam ich nach einer 12-Stunden-Nacht-Busfahrt (ich konnte endlich mal im Bus schlafen!) in San Pedro an und hab zuerst einmal all die Leute kennengelernt, mit denen ich die nächsten Wochen verbringen werde. Da sind zunächst einmal Mia und Cesar. Sie ist Französin, er stammt aus Santiago de Chile und die beiden arbeiten wie ich auch hier im Hostal BB Incahuasi. Während Cesar in erster Linie für die Küche zuständig ist und uns jeden Tag super bekocht, kümmert sich Mia um die Verwaltung, die Geldangelegenheiten und was sonst noch so an Organisation anfällt. Die beiden haben mir den Start schon sehr erleichtert. Dann gibts da noch die Besitzer das Hostals – eine chilenisch-deutsche Familie. Sandra, die ebenfalls aus Santiago stammt und das Hostal vor sechs Jahren gründete, ihr aus Oldenburg stammender Mann Hilko, sowie die beiden Kinder Moira und Joaquin. Nicht zuletzt streunt Susi, die Hauskatze ständig durch die Zimmer.
Das erste Wochenende stand ganz im Zeichen “Lern mal die Region kennen”. Ich durfte also am Samstag und Sonntag zwei Ausflüge machen. Am Samstag ging es ins nahe Valle de la Luna, das seinen Namen “Mondtal” zurecht trägt, da es ausser Fels und Sand kaum etwas gibt. Dennoch haben die Naturgewalten in den vergangenen Jahr-Millionen bizarre Landschaften hinterlassen, die einfach klasse aussehen. Besonders der Sonnenuntergang in dieser Gegend hat seinen ganz eigenen Reiz. Nicht umsonst ist das Valle de la Luna eine der meistbesuchten Gegenden Chiles. Dazu gehören auch die Geysire von El Tatio. Das Geysir-Feld gehört zu den fünf grössten seiner Art auf der Erde und zeigt in beeindruckender Manier die Urgewalten, die unter der Erdkruste lauern. Die umliegenden, zum Teil aktiven Vulkane – vor allem der Lincacabur, der Hausberg San Pedro de Atacamas, unterstützen dies eindrucksvoll. Zu den Geysiren ging es am Sonntag schon um fünf Uhr. Als wir um sieben Uhr da ankamen (immerhin schon auf 4200 Meter) hatte es noch bitterkalte -8 Grad, doch mit den ersten Sonnenstrahlen war die Kälte vergessen. Zudem bot das grandiose Naturschauspiel, das die Geysire veranstalteten, überhaupt keine Zeit, über die eisigen Temperaturen nachzudenken. Wo sonst hat man schon alle drei Aggregats-Zustände des Wassers auf einem Quadratmeter?? Während der Exkursionen durfte ich mich dann auch direkt als Übersetzer (Spanisch-Englisch) und als Geologie-Experte (das ganze Zeugs hab ich ja mal gelernt&hellip einbringen.
So richtig begann die Arbeit jedoch erst am Montag – dafür direkt mit einem Schock-Tag. Nicht nur, dass die Familie sich als nicht wirklich nett (die Kinder vor allem als nervig) heraustellte, ich hatte auch einige Probleme mit der Sprache (im Vergleich zu Peru und Bolivien wird in Chile ein ganz schlimmes Spanisch gesprochen – und das noch dazu ziemlich schnell) und musste vor allem immer wieder nachfragen, wo welche Sachen hingehören bzw. wie der normale Ablauf des Tages ist. Da vor allem Sandra, die Besitzerin des Hostals, alles andere als gut gelaunt war, war dies am ersten Tag doch recht nervenaufreibend.

Mittlerweile hat sich die Situation aber etwas geändert. Ich bin mit Mia und Cesar seit Dienstag allein im Hostal (was wohl ein grosser Vorteil ist) und wir teilen uns die Arbeit so gut es geht auf. Zwar ist schon viel zu machen (man glaubt nicht wie schnell die Spüle wieder voller Geschirr steht), doch sieht man immer auch einen Fortschritt. Und gegen Nachmittag sind wir dann doch auch meist fertig mit dem Gröbsten, so dass wir uns dann ein bisschen entspannen können. Glücklicherweise ist derzeit auch nicht so schrecklich viel los im Hostal – es sind zwar meist fast alle Zimmer (insgesamt 7 Zimmer verschiedener Grössen) belegt, doch nicht vollständig. Und ich gewöhne mich jeden Tag ein bisschen besser an die Abläufe. Also blicke ich trotz des miesen ersten Eindrucks am ersten Tag mittlerweile optimistisch in die Zukunft.... 

Um auch für den nächsten Blog noch genügend Stoff zur Verfügung zu haben, zieh ich hier einen Strich unter die ersten Eindrücke San Pedro de Atacamas, wo ich nun wohl bis Ende Juli/Anfang August arbeiten werde, um dann während der letzten Wochen bis Anfang September noch nach Argentinien und Brasilien zu fahren...

19.5.07 04:15


Gekündigt. Und weiter geht die Reise...

Heute melde ich mich nicht mehr aus San Pedro de Atacama. Heute melde ich mich aus La Serena, 16 Busstunden südliche San Pedros und sieben Stunden nördlich Santiago de Chiles an der Pazifikküste.

Warum? Weil ich aus San Pedro nach nur einer Woche "geflüchtet" bin. Die Arbeit im Hostal hatte ich mir komplett anders vorgestellt - mir wurde auch anderes versprochen. Deshalb habe ich am vergangenen Samstag entschieden, zu gehen. Was ich am Montagabend dann auch gemacht hab. Obwohl ich natürlich vor allem gegenüber Mia und Cesar - die im Hostal blieben - ein etwas schlechtes Gewissen habe, weiss ich doch genau, dass es die richtige Entscheidung war. Bad putzen kann (sollte) ich zu Hause auch. Die versprochenen Exkursionen, die täglich in mehreren Ausführungen stattfinden sollten, gab es so gut wie nie; die Arbeitstage waren 16-Stunden-Tage ohne Möglichkeit, sich wirklich zurückzuziehen...

Gelandet bin ich jetzt erst einmal in La Serena. Hier ist schon sehr viel mehr los und für eine chilenische Stadt ist La Serena sehr schön, vor allem die Strandpromenade. Nach der Ankunft (nach 16 Stunden im Bus) bin ich dann auch erstmal zum Meer runter und hab mir den Bauch mit frischem Fisch und Meeresfrüchten vollgeschlagen. Im Nachbarort Coquimbo gibt es nämlich nicht nur einen tollen Fischmarkt, dort kann man den Fang auch gleich probieren - und natürlich gibt es auch Ceviche, das chilensiche National-Fisch-Gericht, das eigentlich peruanisch ist.  

Heute dann der Ausflug ins Valle Elqui, wo die Zentrale der Pisco-Produktion Chiles liegt. Pisco ist der Nationalschnaps. Und wie könnte es anderes sein, auch um die Erfindung des Pisco streiten sich Peru und Chile. Unbeeindruckt davon ging ich mit meinem Guide (ich war ganz allein!) zu einer Pisco-Probe, was mir mittags um drei doch ganz schön zusetzte. Pisco ist in Südamerika das, was bei uns der Grappa ist - vom Geschmack her sehr ähnlich. Einzig wird der Pisco sehr oft gemixt. Beispielsweise mit Limone, Zuckersirup und Eiweiss zum berühmten Pisco Sour. Auch der Rest des Valle Elqui war ein Genuss für die Augen - vor allem, weil es nach knapp zwei Wochen Wüste mal wieder was Grünes zu sehen gab - und das in allen möglichen Farben...

Wie gehts nun weiter? Ich versuche, mir wieder irgendwo eine Arbeit zu beschaffen - diesmal werd ich aber direkt nach Reiseveranstaltern suchen. WO dies sein wird steht derzeit noch in der Sternen. Anfragen geschickt habe ich bisher nach Buenos Aires, La Paz und Cusco. Und nachdem ich mich vorhin mit dem Chef des Veranstalters hier in La Serena unterhalten habe, könnte ich auch Ende Juni hierher zurückkommen und anfangen...

Morgen nacht geht es aber erstmal nach Santiago de Chile, wo ich wohl das Wochenende verbringen werd und dann noch ein bisschen weiter nach Süden (Pucón) fahren und dort einen Vulkan besteigen will - doch der Plan kann sich ständig ändern...

Es bleibt also spannend. Auch im Blog...

24.5.07 01:00


Am südlichen Ende...

Ich bin jetzt wohl am südlichsten Punkt meiner Reise in Südamerika angekommen. Genau bin ich jetzt in Pucón, 10 Busstunden südlich von Santiago de Chile auf mehr als 39 Grad südlicher Breite. In der Hauptstadt selbst habe ich das vergangene Wochenende verbracht. Sehr viel von der Stadt selbst hab ich nicht gesehen, was im Wesentlichen zwei Gründe hat: Zum einen war das Wetter nicht besonders gut, wirklich geregnet hat es zwar nicht, doch unter Wolken und Kälte macht ein Stadtrundgang halt nicht so viel Spass. Zum anderen gibt es in Santiago wohl auch nicht sehr viel zu sehen. Also habe ich mich darauf beschränkt, einfach ziellos durch die Stadt zu laufen. Am auffälligsten waren auch in der 5-Millionen-Metropole die grossen Shopping-Malls, die hier in Chile in jeder grösseren Stadt stehen und einen doch sehr an Amerika erinnern. Besonders, wenn es zum nicht zu klein geratenen "Patio de Comidas" (Essen-Hof) geht, wo sich McDonald, Burger King, KFC und Dunkin Donuts die Klinke in die Hand geben. Dazwischen - fast ein wenig eingeschüchtert: Fritz - das typisch deutsche Fast-Food-Restaurant, in dem es vor allem Hot Dogs und Burger gibt.  Auch die Kinos fehlen in den Malls natürlich nicht, was ich mir am Freitagabend direkt mal zu Nutzen gemacht und mir Fluch der Karibik 3 angeschaut hab.

Danach gings ab in die Santiagoer Kneipen- und Diskowelt. Mit einem Israeli und einem US-Ami war ich in ner netten Kneipe direkt neben dem Hostal, danach sind Mateus (der Ami) und ich noch weiter ins Ausgeh-Viertel Bellavista gefahren. Dort sind wir erst in einem überteuerten Techno-Schuppen gelandet und nach der recht schnellen Flucht haben wir noch eine gute Disko gefunden, in der wir dann auch bis halb fünf ausgehalten haben.  Das hat meinen Plan, die Stadt am Samstagmorgen noch etwas zu erkunden, natürlich jäh durchkreuzt. Also bin ich im Hostal geblieben, bis das DFB-Pokal-Finale begann. Dann verstand ich auch, warum Santiago so bewölkt war: All die Sonne schien am Samstag über dem Frankenland.

Live-Fussball hab ich dann am Sonntag gesehen. Colo Colo spielte gegen Universidad Católica - es war nicht nur ein Derby zweier Mannschaften aus Santiago sondern zugleich auch das vorentscheidende Spiel um die Meisterschaft. Dementsprechend aufgeheizt war natürlich die Stimmung. Schon in der U-Bahn zum Stadion bewegte ich mich - zwangsläufig - in erster Linie auf und ab. Immer im Takt der springenden Colo-Colo-Fans. Im Stadion war dies nicht viel anders, die Stimmung war hervorragend, vor allem weil Colo Colo (der Heimverein) das sehr spannende Spiel 2:1 gewann und dementsprechend gefeiert wurde. Zum Glück sass (stand, sprang, kniete) ich auf der Seite der Colo-Colo-Fans, alle Chilenen in dem Stadion waren mir nämlich nicht so ganz geheuer.

Aber nach einer Nachtfahrt im Bus kam ich am Montag trotzdem unversehrt in Pucón an. Das 14000-Einwohner-Städtchen glänzt vor allem durch seine traumhafte Lage am Lage Villarrica. Zudem thront über dem Ort der gleichnamige Vulkan, der nicht nur einer der schönsten, sondern auch einer der aktivsten seiner Sorte in Südamerika ist. Da galt es für mich natürlich, den zu besteigen, was ich heute auch in Angriff genommen hab. Allerdings sind wir nicht bis zum Krater des immer ein wenig dampfenden Vulkans gekommen, da das Gletscher-Eis um den Krater herum einfach zu hart gefroren war und unsere Führer entschieden haben, die Tour nach etwas mehr als der Hälfte abzubrechen und den Abstieg zu beginnen. Dennoch war die Tour ein schönes Erlebnis, wenn es auch schade ist, nicht von oben in den Magma-gefüllten Krater schauen zu können. Doch immerhin hab ich nun erste Erfahrungen mit Steigeisen und Eispickel gesammelt.

Jetzt bleib ich erstmal noch ein paar Tage im kalten und windigen Pucón - heute morgen hatten wir -5 Grad und deftigen Wind - und schau mit in Ruhe die anderen Sachen (Hot Springs, Seenlandschaft und mehr) an und fahr wahrscheinlich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag wieder nach Santiago zurück. Von dort geht es am Sonntag mit einer Deutschen und einer Engländerin, die ich in La Serena im Hostal kennen gelernt hab, ab auf die Osterinsel.  Da hier absolute Nebensaison ist, ist der Flug ganz gut finanzierbar und die Insel ist bestimmt ein tolles Erlebnis... Das aber in einem weiteren Blog....

29.5.07 22:28





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