Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 


 

Webnews



http://myblog.de/matze-bloggt

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Ein Rundgang durch Cusco...

Inti Raymi – das Sonnenfest, das wichtigste Fest Cuscos, ist vorüber. Und die Stadt hat sich wieder normalisiert. Nicht nur, dass es nun nicht mehr in jedem Taxi wegen irgendeinem Umzug heisst “No hay paso” (da gibts kein Durchkommen Richtung Zentrum), auch Cameron Diaz und Bill Gates sind wieder aus der Stadt raus, so dass das Leben am “Nabel der Welt”, was Qosqo auf Quechua eigentlich bedeutet, wieder seinen normalen Gang geht. Doch was heisst normal, hier in Cusoc?

Vorweg: Cusco hat zwei Gesichter. Da ist zunächst einmal das touristische Zentrum mit der Plaza de Armas und etwa zwei Strassenblöcke in jede Richtung. Hier reihen sich schicke und noble Restaurants, teure Hotels, europäische Kneipen (Irish Pub etc..) aneinander. Alles wirkt auch quasi perfekt gestylt, an fast jeder Ecke stehen Mülleimer und die Stadtreinigung ist bemüht, wirklich jeden Grashalm auf der Plaza in Einheitslänge zu lassen. Als Gringo (wie die Weissen hier ”liebevoll” genannt werden) wird man auch ständig angebettelt, irgendwelchen Kram (von Kaugummis über Postkarten und Handpuppen in Lama-Form bis hin zu Gemälden von Cuscos Sehenswürdigkeiten) zu kaufen und ein paar Soles mehr in der Stadt zu lassen. Im Zentrum ist das Preisniveau auch durchaus achtbar, als Tourist lässt man es schliesslich mit sich machen. Nur wenige Gehminuten von der Plaza de Armas beginnt dann aber Peru. Hinter der Plaza San Francisco beispielsweise scheint ein grosser Torbogen die Grenze zu sein zwischen dem glitzernden Cusco – der viel angepriesenen Hauptstadt des alten Inka-Imperiums und dem Cusco, das so typisch ist für Peru und Lateinamerika. Und dem Cusco, warum ich persönlich hier so wohl fühle. Hinter dem Tor plötzlich sieht man nicht mehr so viele Touristen, zumindest nicht den typischen Touristen, der mit Kamera um den Hals und gestreiftem Polohemd, das in die beige Cord-Hose gesteckt ist auf die Jagd geht, sich einen zweiten Hut zu kaufen, auf dem “Machu Picchu Peru” steht. Es geht in Richtung des Mercado San Pedro. Und gerade auf und in den Märkten spielt sich das Leben ab. Deshalb ist ein Rundgang durch einen dieser Märkte wohl auch eine der besten Möglichkeiten, Peru und seine Eigenheiten kennenzulernen. In einer grossen Halle tummelt sich alles, was Kaufen und Verkaufen will. Nachdem man am Eingang eine Horde junger Mädchen hinter sich gelassen hat, die ununterbrochen “Llamada, Llamada” rufen und mit Handys der verschiedenen Telefon-Anbieter klappern (die Mädels wollen die Handys nicht verkaufen, sie sind quasi laufende Telefonzellen), kommt einem schon ein Geruch entgegen, der zwischen Käse, Fleisch und Obst liegt. Doch von Lebensmitteln sieht man erstmal kaum etwas, zunächst ist angesagt, die Reihen von Textilläden zu durchkreuzen. Ponchos, die typischen Kappen, warme Kleidung aus weicher Alpaka-Wolle (wird zumindest behauptet) wird genauso verkauft wie T-Shirts, Schuhe oder Hosen der verschiedensten Marken und ihrer chinesischen Ableger. Dann kommt aber der interessantere Teil: nachdem man zwei oder drei Hunden ausgewichen ist, fast über zwei mitten im sowieso schon zu schmalen Gang mit einem Mini-Männchen spielende Kinder gestoplert ist, kommen zunächst unglaublich viele 100-Liter-Säcke mit den verschiedensten Gewürzen auf einen zu, Eier und andere Materialen, die die peruanische Hausfrau zum Kochen braucht. Danach wirds laut: “Jugos, Ceviche, Almuerzos” – wir sind angelangt im Teil der Garkücken, wo es für wenige Sol alles gibt, was das Herz begehrt. Von Salchipapas (Pommes und Würstchen) über Lomo Saltado (Pommes gemischt mit einer Art geschnittenem Fleisch und Zwiebeln) bis hin zu Abodo (ein Brocken Fleisch und eine Pepperoni in Sud) ist alles dabei. Die aufgezählten Gerichte werden übrigens sowohl zu Mittag als auch als Frühstück gegessen. Abendessen ist hier die unwichtigste Mahlzeit. Am leckersten sind aber die frisch gepressten Säfte, die ebenfalls an vielen, vielen Ständen angeboten werden – ob Papaya, Banane oder Orange (immernoch mein Favorit), alles garantiert frisch ins Glas. Und sehr leicht kommt man mit anderen Saft-Trinkern oder auch den Verkäufern ins Gespräch. Natürlich werden auch die ganzen Früchte verkauft, darunter exotische Sachen wie Chirimoya oder andere Früchte aus dem peruanischen Urwald-Gebiet. Lässt man den Mercado San Pedro hinter sich, ist es nicht mehr weit ins Paradies. Doch bevor man dort angekommen ist, geht es durch eine Strasse, die von fliegenden Händlern nur so wimmelt. Es gibt Meerschweichen (lebend oder pfannenfertig) zu kaufen, die “Llamada-Llamada”-Mädels sind zurück und ein Verkäufer schiebt seinen Wagen mit Wachteln und Wachteleiern vorsichtig zwischen herumstreunenden Hunden, rennenden Kindern und kleinen Grillständen hindurch, die Anticuchos (Spiesse mit einer Kartoffel, wahlweise mit Fleich oder Herz und einer scharfen grünen Sosse für 1 Sol) anbieten.

Am Strassenrand kleine, enge Geschäfte, die entweder als Friseursalon oder als Bücherbasar genutzt werden. Ein kleines Deutsch-Spanisch-Büchlein konnte ich so gegen “der alte Mann und das Meer” von Hemingway tauschen, eingeschlossen einem netten Gespräch mit dem Vater der Familie, die das “Geschäft betreibt”. Dann gehts über die Strasse – zwischen hupenden Taxen und übervollen Collectivo-Bussen, alle fürchterlich stinkend, hindurch – in den Centro Commercial “El Paraiso”. Hier ist das Paradies für Schnäppchenjäger, wenn es um CDs, DVDs oder sonstiger Geräte geht. Auch eine Haushaults- und eine Werkstatt-Abteilung gibt es. Natürlich ist keine der DVDs echt, aber der Ausdruck auf dem Titelblatt schaut gut aus. Und was will man für einen Euro auch verlangen. Dafür gibt es alles, was man will – sogar CDs von ModernTalking liegen verstaubt in der Ecke. Oft muss man sich allerdings etwas gedulden – die gewünschte CD muss eventuell erst gebrannt werden. Bei meinem “neuen” Handy musste ich erst einmal die SMS vom Vorgänger löschen. Nachdem ich ihm (der Verkäufer war etwa 10 Jahre alt) deutlich gesagt hatte, das ich kein Handy mit Vertrag will, hatte er doch plötzlich noch was in der Hinterhand. Kein Wunder, dass in Peru so viele Taschendiebe rumrennen (ich wurde verschont bisher). Nicht minder interessant ist die Strasse, die wieder vom Einkaufszentrum wegführt, hier reihen sich kleine Restaurants und daneben Fleischereien mehr oder minder auf offener Strasse.Dazwischen immer wieder die unzähligen Strassenköter und die eifrig vor sich hin hupenden Autos...

So, soviel erstmal zu einem virtuellen Stadtrundgang durch Cusco. Bilder dazu gibts auch. Mir gehts soweit super, das Praktikum macht immernoch Spass, die Kollegen sind immernoch nett und morgen beginnt die neue Woche voller Motivation.... Bis dann

1.7.07 23:18


Zwei Wochen Arbeit - und schon Urlaub...

Nach dem virtuellen Stadtrundgang durch Cusco beim letzten Mal gibt es diesmal wieder ein bisschen mehr von mir zu lesen: Seit drei Wochen arbeite ich jetzt als Praktikant bei Latina Real Tours. Und schon jetzt bin ich aus dem Büro nicht mehr wegzudenken.  Schliesslich bin ich der einzige, der mit einer normalen Kaffeemaschine umgehen kann.  Doch nicht, dass das Bild täuscht: Ausser Kaffee machen (was ja schliesslich auch sehr in meinem Sinne ist) hab ich viele viele weiter Aufgaben: Derzeit bin ich vor allem dabei, die Internet-Seite (www.latinarealtours.com) einerseits mit allen möglichen Informationen zu füllen, andererseits die schon existierenden Tour-Beschreibungen etc. ins Deutsche und Englische zu übersetzen. Ausserdem sind wir gerade dabei, neue Rundreisen zu planen. Zum Beispiel eine Exklusiv-Reise für avenTOURa in Deutschland. Bei der Route- und Hotelauswahl sowie beim Programm war viel zu tun - doch nun steht die Reise mehr oder weniger. Auch das Büro haben wir heute umgestaltet. Fehlt nur noch ein Kalender mit nem Bikini-Girl über meinem Schreibtisch...

Normalerweise muss ich am Vormittag arbeiten und nachmittags sind dann Dinge zu erledigen wie etwa eine Umfrage zum Thema Nachhaltigkeit bei einigen Hotels in der Stadt oder Buchungen von Hotels oder Flügen. So hab ich also doch einiges zu tun, aber es ist jetzt wirklich das, was ich machen wollte. Nicht nur die Arbeit an sich, auch mit den Leuten im kleinen Büro (Chef Carlos, Norma und die zweite Praktikantin Ursula) ist durchaus etwas, was ich mir später vorstellen könnte. Fast schade, dass ich nur zwei Monate Zeit hab.  Spass gemacht hat auch die Arbeit mit "meiner" ersten Touri-Gruppe, mit der ich beispielsweise am Dienstag vor einer Woche als Vertreter des Reiseveranstalters beim Abschiedsessen war und am Mittwoch nach Puno (am Titikakasee) begleitet habe.

Nach diesen ersten zwei Wochen Arbeit hatte ich mir die ersten beiden freien Tage redlich verdient.  Also bin ich nochmal übers Wochenende nach Arequipa gefahren, wo ich bis Sonntagabend auch wieder ne tolle Zeit hatte. Arequipa wird wohl auch die Stadt sein, in der ich in den letzten beiden Wochen meines Trips nochmal einen Sprachkurs machen werde.

Ansonsten ist hier das Leben derzeit von Streiks geprägt. So war die komplette vergangene Woche die Verbindung zwischen Cusco und Puno unterbrochen, da es zu Strassenblockaden von Bauern kam, die das Ende der Verschmutzung der Flüsse forderten. Mit den Touristen kamen wir nur nach Puno, da wir mit Hilfe eines Einheimischen einen Schleichweg (3 Stunden mehr, aber landschaftlich klasse) fanden. Doch beispielsweise Norma, eine Mitarbeiterin der Agentur, sass vier Tage in Puno fest und musste im Busterminal übernachten. Dazu muss man wissen, dass Puno auf knapp 4000 Metern liegt und es dort nachts derzeit richtig kalt wird. Das habe ich persönlich gemerkt, als in meinem Bus am Sonntagnacht von Arequipa nach Cusco die Heizung nicht ging oder einfach zu schwach war. Ich hab selten eine so kalte Nacht verbracht.  Aber auch Cusco ist derzeit nicht von tollem Wetter geprägt, es hat die vergangenen Tage immer mal wieder geregnet und ohne Jacke aus dem Haus zu gehen ist sehr gefährlich. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass Heizungen in Südamerika nur in besseren Hotels vorkommen?

Um aber beim Thema Streik zu bleiben: Heute ist Generalstreik in Peru. Heisst im Klartext: Weder Taxen oder Collectivos noch Busse fahren, womit schon einmal mindestens 90% aller Fahrzeuge von den Strassen verbannt waren. So wurdem auch die grossen Avenidas kurzerhand von den Kindern in Fussballplätze umgewandelt und als Wanderstrecken von denjenigen benutzt, die bei privaten Firmen arbeiten und nicht am Streik teilnahmen. Auch die meisten Geschäfte hatten geschlossen. Bisher hab ich übrigens noch niemanden gehört, der sich über die Situation beschwert hat. Meine Gastmutter etwa musste heute arbeiten (im Zentrum) und freute sich fast, mal wieder eine Stunde Fussmarsch (wohl gemerkt einfach) absolvieren zu dürfen. Der Umwelt kanns ja auch nicht schaden, wenn die vielen Abgase mal einen Tag aussetzen.

Wie die Situation morgen aussieht, steht noch in den Sternen. Todo es posible, nada es seguro.

12.7.07 01:49


Umzug und Verlängerung

Ein "HOLA!!" aus Cusco!

seit heute bin ich vier Monate in Peru. Wow, wie die Zeit vergeht. Es ist aber andererseits auch schon wieder weit weg, als ich am 24. März in Lima ankam und die ersten Schritte nach Lateinamerika gemacht hab. Oder der Weg nach Cusco über die urigen Hochland-Städte Andahuaylas und Abancay. Der tolle Start in Cusco sowie die negative Erfahrung im Hostal in San Pedro oder die drei Wochen Reisen durch Chile und Osterinsel...

Eigentlich hätte ich ja jetzt noch knapp eineinhalb Monate hier. Eigentlich. Denn mein Aufenthalt wird sich nach einigem Organisieren in den vergangenen Wochen um einige Wochen verlängern. Und das sogar, ohne an der Uni ein Semester zu verlieren. Ich weiss, was ich an dem Praktikum hier habe und es wäre fahrlässig, die Chance nicht zu nutzen, das weiter auszubauen, mehr zu lernen, die Sprach noch zu verbessern, das Land näher kennenzulernen. Und schliesslich ist es nicht nur dieses Praktikum. Auch sonst fühle ich mich - wie sicherlich schon mehrfach rüberkam - pudelwohl hier und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich dies ändern wird. Ausserdem will ich doch auch mal wieder Sommer. Hier ist schliesslich derzeit Winter. Und im September in den deutschen Herbst zurückzukehren - dann hätte ich ein Jahr ohne Sommer verbracht. Der derzeitige Plan ist, Mitte Dezember wieder nach Deutschland zu fliegen.

Wobei der Winter hier auch nicht vergleichbar ist mit unserem. Vorgestern beispielsweise habe ich mir beinahe einen Sonnenbrand geholt - dafür nachts wieder gefroren wie ein Strassenköter. Die Differenzen hier sind einfach ziemlich extrem - dazu kommt, dass die Sonne in der Höhe hier natürlich viel mehr Kraft besitzt. Nachts dafür ist es wirklich kalt - ich hab beispielsweise vorher nie mit Socken geschlafen. Barfuss schlafen wäre hier derzeit nicht wirklich möglich. Zumal die Wolldecken hier alles andere als bequem sind.

In den kommenden Tagen muss ich erstmal umziehen. Da in meiner Gastfamilie, in der ich derzeit wohne, zwei Studenten der Sprachschule einziehen werden (die hatten schon lange vorher gebucht), musste ich mir eine andere Bleibe für den August suchen. Gefunden hab ich eine andere Gastfamilie, die ebenfalls sehr nett scheint und sogar noch näher am Büro liegt.

Ansonsten laufen meine Tage derzeit ziemlich gleich ab: Frühs im Büro arbeiten, danach Mittagessen (meist mit Pia und/oder anderen Leuten von der Sprachschule), dann ein Kaffee und ein frisch gepresster O-Saft und danach muss ich meist noch irgendwas in der Stadt erledigen. Heute zum Beispiel muss ich mich umsehen nach einem passenden kleinen Geschenk für meine Gastmutter zu ihrem Geburtstag. Schliesslich bin ich mit eingeladen, wenn heute nachmittag die Familie zum Kaffee und Kuchen und später zum Abendessen kommt. Mal sehen, was sich finden lässt!

Bis demnächst,

Matze

24.7.07 19:51





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung